Am 06.02. 2020 fand in Würzburg das erste Mal der eoSearchSummit statt. Für diese Konferenz ließ die eology als Veranstalter seine Kontakte spielen und brachte aus dem Stand ein beachtliches Line-up von Speakern und Themen ins Congress Centrum Würzburg. Unser Recap gibt einen ausführlichen Über- und Einblick vom eoSearchSummit, seinen Vorträgen und unseren Erfahrungen.

Organisation und Ablauf

Bei neuen Konferenzen ist die Frage nach der Organisation genauso wichtig wie die nach den Inhalten. Und da legte der eoSearchSummit schon einmal eine sehr gute Basis.

Die Kommunikation im Vorfeld war bei allen Fragen kompetent und schnell. Die Location gut gewählt und auch vor Ort schienen Planung, Service des Congress Centrums und Mitarbeiter von eology reibungslos ineinander zu greifen.

Die neun Vorträge fanden alle linear im Hauptraum statt. Sie waren abwechslungsreich und es funktionierte gut zugleich einen Überblick zu wahren und neue Impulse einzubinden. Den wirklich neuen „heißen Scheiß“ gab es nicht – dafür aber auch erfreulich wenig „heiße Luft“. Das Zeitmanagement passte erfreulicherweise auch. Es gab keine bemerkenswerten Überziehungen und durch den etwas kürzeren letzten Vortrag blieb alles im geplanten Rahmen. 

Mit 160 Teilnehmern war der Hauptraum gut belegt, aber nicht überfüllt. Auch das Catering war auf die Teilnehmer eingestellt, auch wenn es beim Nachschub der veganen Schnitzel zeitweise zu Engpässen kam. Die ordentliche Auswahl an vegetarischen und veganen Optionen wurde von vielen Teilnehmern lobend erwähnt. Vielleicht liefen in den Pausen auch kleine Wetten unter Teilnehmern, welcher der eology-Gründer wohl Veganer ist. 

 

Kai Spriestersbach: SEO 2020 = 80/20 – No Bullshit SEO nach dem Pareto-Prinzip

Den Anfang nach der Begrüßung durch den Moderator Mario Strack machte Kai Spriestersbach. Und dieser Anfang war direkt ein Rundumschlag.

Ja, es ging um Pareto. Aber es ging nicht um eine Aufzählung konkreter SEO-Kniffe nach dem Pareto-Prinzip. Die „5 XY für Deinen Erfolg“-Themen sind anderer Leute Jagdgründe. Es ging darum, was es eigentlich bedeutet „SEO zu machen“ und wo die Möglichkeiten und Grenzen des Pareto-Prinzips bei seinen vielen Teilgebieten sind. Und gerade die Hinweise auf die Grenzen machten das No-Bullshit-Thema des Vortrags aus.

Ganz normaler Menschenverstand trägt einen sehr weit. Er hilft wirklich oft.

Kais Spriestersbach

eology / searchone

SEO ist kein Performance-Kanal. SEO ist ein langfristiges Investment.

Kais Spriestersbach

 So wies Kai Spriestersbach deutlich darauf hin, dass SEO ein Prozess ist, der Zusammenarbeit über mehrere Abteilungen erfordert. Die Zeit der einsamen SEO-Götter ist vorbei – wenn es sie denn je wirklich gegeben hat. Das bedeutet aber auch, dass es sehr schwer ist den Pareto-Erfolg von SEO zu messen.

Wo das Pareto-Prinzip  aber tatsächlich wirkt, ist bei der Verteilung des SEO-Traffics: 20 % der Keywords bringen für gewöhnlich 80 % des Traffics. Gleiches gilt bei vielen Webseiten für die URLs. Umgekehrt gilt aber zum Beispiel für Ads: 20 % der Keywords bringen 80 % der Kosten. Hier kommt man mit Pareto also weiter.

Das Gegenteil von Pareto dagegen ist Content-Produktion und -Marketing. Kais Vorschlag in diesem Gebiet war lieber nur 20 % der möglichen Inhalte umsetzen, dafür diese aber mit 120 % der Qualität. Da sieht er Content und Links im selben Boot: In beiden Fällen sollte man eher an der Quantität als der Qualität sparen. Hier zählen auch die letzten 20 % des Aufwandes. Sogar mehr noch als der vorherige Aufwand. Dazu gehören auch Seeding und Content-Recycling.

Das größte Potenzial für einen Pareto-Ansatz im SEO? Snippet-Optimierung. Sich auf Snippets im sichtbaren Bereich beschränken und mit Hypothesen und Tests besser werden, ist der beste Hebel für den Plan mit 20 % Aufwand 80 % des Resultats zu erhalten.

Fazit zu SEO 2020 = 80/20 – No Bullshit SEO nach dem Pareto-Prinzip

Pareto war der Aufhänger des Vortrags, aber der Inhalt war dann hauptsächlich ein Spaziergang durch verschiedene SEO-Maßnahmen. Das war einerseits nichts Neues, aber andererseits für den Eingangsvortrag ein kluger Kniff: Bekannte Techniken auf die Anwendbarkeit von Konzepten abzuklopfen war interessant und ermöglichte auch Teilnehmern, die nicht ganz so tief im Thema waren, einen guten Einstieg.

Das Pareto-Prinzip auf SEO anzuwenden, ändert nichts an den bekannten Best Practices. Das ist einerseits beruhigend, andererseits weiterer Ansporn sie konsequent umzusetzen.

Eric Kubitz: Besserer Content ohne SEO-Bullshit

Eric Kubitz begann seinen Vortrag mit einer Warnung: Eigentlich gibt er keine Vorträge mehr, weil er irgendwie immer versucht ist, seine 4-Stunden-Seminare in ihnen unterzubringen. Um deshalb keine Zeit zu verlieren, schloss er praktisch nahtlos an Kai Spriestersbachs Vortrag an.

Erics Kernaussage beim Thema „No Bullshit“ war, dass jede Aussage zu SEO ist alleine und nur für sich betrachtet unklug ist – besonders im Bezug auf Content: Textlänge, Keyword-Orientierung, Textqualität, Aktualität,… Alles nicht falsch, aber aller für sich betrachtet nicht so hilfreich, wie man sich erhofft. Kontext ist das Königreich, in dem König Content herrscht. Und dieser Kontext beginnt bei der Frage, welche Art Webseite man eigentlich hat. Denn (natürlich) funktioniert nicht jede Art Content auf jeder Art Webseite.

Wenn Content König ist, ist Kontext sein Königreich!

Eric Kubitz

Agenturinhaber, CONTENTmanufaktur

Falls Ihr selber schreibt, schaut Euch mal die Sachen an, die Ihr vor einem Jahr geschrieben habt. Ihr wollt sie dann meistens schon von selbst ändern.

Eric Kubitz

Von den tatsächlichen Zusammenhängen habe ich doch auch keine Ahnung. Ich habe keine Ahnung, was genau Google rechnet. Manchmal muss man ganz ehrlich zugeben, wenn man keine Ahnung hat.

Eric Kubitz

Und so kann man den Vortrag nach dem Motto „Ja, aber…“ zusammenfassen.

  • Ja, Keywords sind wichtig. Aber nicht für stumpfe Keyword-Dichte, sondern als Thema, Orientierung, Fokusierung und Aspekt von WDF*IDF unter Berücksichtigung von Kundensprache und Fachsprache. Die entsprechenden Keywordlisten helfen bei Gliederungen und schaffen durch Ähnlichkeit von Suchanfrage und Ergebnis Vertrauen.
  • Ja, man sollte die Top-10 / Top-20 / Konkurrenz analysieren. Aber nicht um sie und ihre Maßnahmen zu kopieren oder um 100 Wörter zu überbieten, sondern um sich inspirieren zu lassen, eigene Versäumnisse und vergessene Aspekte zu erkennen, sowie deren Erfolge vor dem Hintergrund ihrer Entwicklung zu sehen. Hat der Mitbewerber mehr Sichtbarkeit? Dann sollten wir nachsehen worauf die sich stützt und wann er sie erhalten hat.
  • Ja, man sollte individuell sein. Aber diese Individualität ist nur das „Goldene Dach“ auf dem „Temple of Content“. Es geht darum den USP auch im Content zu setzen und gerade so anders zu sein, dass Google den Content einem Thema zuordnen kann und als neuen Ansatz in den SERPs testet.
  • Ja, Textqualität ist wichtig. Aber vielleicht ist Text-Content auf dieser Webseiten-Art gar nicht der Content, der für Google für das Ranking am relevantesten ist. Und selbst dann sind berechenbare Metriken für Suchmaschinen zur Bewertung wichtiger als Stil. Lesbarkeit, Rechtschreibung und auch Grammatik sind auswertbare Kategorien und Hygienefaktoren.
  • Ja, Aktualität hat in vielen Fällen Vorteile. Aber das bedeutet nicht, dass man immer neue Inhalte erstellen muss. Ältere Inhalte aktualisieren ist oft vielversprechender. Aktuell ist nicht „neu“, sondern „nicht veraltet“.

 

Fazit zu Besserer Content ohne SEO-Bullshit

Eric Kubitz brachte eine wichtige Aussage auf die Bühne des eoSearchSummit: Auch wenn Content und SEO für Einsteiger schnell in wenigen Schlaglicht-Maßnahmen zusammenfassbar sind, sind sie nicht einfach. Es gibt eigentlich immer ein „Aber“. Die Schlaglichter sind nicht immer falsch, aber die Komplexität dahinter wird in der Praxis oft zum Stolperstein.

Damit waren die Grundlagen gelegt für die nächsten Vorträge nach einer kurzen Pause.

Madeleine Schröter: Abmahnung, Unterlassungserklärung und Vertragsstrafe wegen SEO?
Welche Stolpersteine vermeidbar sind bei Suchmaschinenoptimierung

Der Plan das Publikum trotz des juristischen Themas mitzunehmen stand ganz am Anfang des Vortrags von Madeleine Schröter. Und deshalb wurde erstmal besprochen, was eigentlich „unlauterer Wettbewerb“ ist, bevor es in die Fallstricke inklusive Fallbeispielen ging. Und davon hatte sie einige aus ihrer Praxis bei der Telekom mitgebracht.

Denn abmahnfähige Inhalte beginnen schon im Snippet. Nicht zutreffende Exklusivität und nicht innerhalb der Snippets aufgelöste „Sternchen-Preise“ können auch dort schon teuer werden. Aber auch unbedachte Äußerungen in SEO-Texten – vor allem, wenn sie als seitenweite Module gesetzt wurden. Es gilt keine relevanten Informationen für den Verbraucher zu nicht, falsch, zweideutig, oder unverständlich zu präsentieren. Madeleine Schröter mahnte aber auch an, dass im Fall einer Abmahnung die Unterlassungserklärung nicht zu schnell unterschrieben werden sollte. Geht es um Online-Texte, kann es aufwendig sein wirklich alle ihre Instanzen zu löschen.

Man kann nicht irgendwas in das Snippet schreiben und es dem User überlassen das auf der Webseite zu überprüfen.

Madeleine Schröter

Senior Expert eBusiness, Telekom

Neben Abmahnungen ging es auch um Urheberrecht. Die Frage welche Inhalte schutzwürdig sind, ist dabei zentral. Der Gesetzgeber macht dies von der „Schöpfungshöhe“ abhängig. Aber der Reflex deshalb „Gebrauchstexte“ wie Produktbeschreibungen als nicht geschützt einzuschätzen, ist falsch. Gerichte haben immer wieder mit erstaunlich niedrigen Schwellen für die Schöpfungshöhe geurteilt. Stil und Wortwahl, „eigenschöpferische Gedankenführung“ und „geistvolle Form“ spielen hier eine Rolle, nicht die Verwendung. Selbst Ausschreibungsunterlagen wurden vom BGH schon als „mit relevanter Schöpfungshöhe“ und damit als vom Urheberrecht geschützt eingestuft.

Google mögen Stil und Formulierung weitestegehend egal sein, aber ausgerechnet den deutschen Gerichten sind sie es nicht.

Fazit zu Abmahnung, Unterlassungserklärung und Vertragsstrafe wegen SEO?

Es war interessant. Es war lehrreich. Es war juristisch. Diesen Dreisatz kriegen nicht viele Vorträge hin, aber hier hat es gepasst. Umso überraschter war ich, als ich erfuhr, dass Madeleine Schröter bisher noch nicht auf offenen Konferenzen gesprochen hat. Und mit einem leicht flauen Gefühl beim Gedanken, was alles abmahnfähig ist, ging es weiter.

Stefanie Niggemann: Content Marketing –  Erstellung, Seeding & Remarketing von einzigartigen Inhalten

Nach den juristischen Hürden ging es jetzt um Struktur in einer oft beschworenen aber selten wirklich stringent durchgeführten Disziplin. Stefanie Niggemann von eology zeigte, worauf man beim Umsetzen von Content Marketing ankommt. Und sie machte gleich zu Anfang klar: operatives Content Marketing mit Hero-Content generiert zwar Traffic, Branding und Backlinks, aber keinen Umsatz. Dafür kostet es Zeit und Geld. Umso wichtiger ist es deshalb richtig vorzugehen, wenn man sich entschieden hat in diese Maßnahme zu investieren. Und keine halben Sachen zu machen.

Keiner mag’s, wenn er ’ne Idee hat und dann kommt gleich einer und sagt „Das geht net.“ – Dann setzt er sich hin und sagt gar nix mehr.

Stefanie Niggemann

SEO-Consultant, eology

Die Landingpage wird beim Seeding oft vernachlässigt. Wir wollen coole Backlinks – da brauchen wir auch coole Landingpages!

Stefanie Niggemann

Den Anfang macht die Themensuche. Schon hier sollte man nicht abkürzen. Es hilft ungemein, wenn man die kreative Phase von der bewertenden Phase trennt. In der Praxis bei eology geht es zuerst um das divergierende Denken, aus dem in mehreren Runden in Brainstormings die Ideen gesammelt werden. Dann folgt als erster Teil des konvergierenden Denkens das Vertiefen und Ausformulieren der Ideen – nicht unbedingt durch den Ideengeber. Auch hier gibt es mindestens zwei Durchläufe. Erst dann werden die umzusetzenden Ideen durch eine positive Abstimmung ausgewählt. Zuletzt werden die „Gewinner-Ideen“ nach Originalität und Umsetzbarkeit bewertet.

Bei der Umsetzung gibt es wieder viel zu bedenken:

  • Wie spreche ich welche Zielgruppe an?
  • Welchen Mehrwert biete ich meiner Zielgruppe?
  • Ist mein Content und sein Mehrwert einzigartig?
  • Ist mein Content gut strukturiert und lesbar, damit sein Mehrwert auch greift?
  • Wie kann ich die fachliche Korrektheit und Seriosität garantieren? Welche Experten kann ich integrieren?
  • Ist mein Content holistitisch? Vielleicht nicht zum Themengebiet, aber zumindest für den gewählten Teilaspekt.
  • Ist die Landingpage, auch der ich den Content (das E-Book, die Infografik, die Studie, die Statistik) veröffentliche stabil, ansprechend und verlinkungswürdig? Passen LP und Content zusammen? zeigt sie die USPs des Contents und eine Zusammenfassung?

Und wenn der Content fertig ist, geht das Content Marketing erst los. „Halbe Sachen“ beginnen oft in dieser Phase. Denn Seeding muss gut organisiert sein. Es lohnt sich dabei Projektmanagement zu betreiben. Auch bei der Auswahl möglicher Seeding-Partner gilt: Offen sammeln und erst eingrenzen, wenn einem nichts mehr einfällt. Auch wichtig: Damit sich was tut, ruft man die Webmaster dann am besten direkt an. Schon hier kann sich eine schlechte LP rächen. Was sich dagegen bezahlt macht, sind eingebundene Experten und Partner. Denn deren Reichweite lässt sich beim Seeding hervorragend nutzen.

Weiter geht es nach dem Link-Earning mit der Kontrolle der Backlinks. Und dem Remarketing. Und der Nutzung der Landingpage für die interne Verlinkung. Und mit dem Content-Recycling. Und mit dem Seeden nach einer Überarbeitung… Theoretisch hört das Content Marketing bei richtig gutem Evergreen-Content nie auf.

Fazit zu Content Marketing – Erstellen, Seeding & Remarketing von einzigartigen Inhalten

Die schiere Menge von schwungvoll vorgetragenen Praxiserfahrungen und Strukturierungsvorschlägen in diesem Vortrag war beachtlich, auch wenn Stefanie Niggemann erkennbar an der Oberfläche der einzelnen Maßnahmen blieb. Sie machte auch sehr gut deutlich, dass Content Marketing nicht die neue Wunderwaffe im Online Marketing ist. Es ist ein inzwischen bewährtes Mittel, das keine Erfolgsgarantie hat, hat aber im besten Fall Erfolge auf mehreren Ebenen ermöglicht. Nicht im schnellen „Jetzt kaufen!“-Klick, sondern darüber hinaus. Und genau dann lohnt sich auch der Aufwand.

Prof. Dr. Mario Fischer: Hurra, wir digitalisieren! Sprachnachrichten also künftig per Fax!

Nach dem sehr guten Mittagessen verhinderte Prof. Dr. Mario Fischer, dass das Suppenkoma zuschlug. Wie schon auf der Rhreinwerk-Konferenz 2019 war sein Vortrag wieder witzig und erfrischend – auch, wenn eingebettet in Stefanie Niggemann, den Moderator Mario Strack und ein durchfränkeltes Publikum der Dialekt-Bonus nicht voll wirkte. Das Fax war dann auch nur der Einstieg in die Herausforderungen, die Machine Learning, KI und ganz breit Digitalisierung noch und immer noch für deutsche Unternehmen bedeuten.

„Erst mal abwarten und gucken was die Mitbewerber machen“ funktioniert nicht.

Prof. Dr. Mario Fischer

Studiengangsleiter E-Commerce, Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt

Ein großes Bedenken bei interner Weiterbildung von jungen Leuten ist ja: „Was ist, wenn wir die weiterbilden und die wechseln dann?“ – Ja aber: Was wenn wir die nicht weiterbilden – und die bleiben? 

Prof. Dr. Mario Fischer

Digitale Transformation muss, damit sie erfolgreich ist, von innen kommen. Mit externen Beratern wird das nichts: Einen Hund zum Jagen tragen hat keinen Sinn!

Prof. Dr. Mario Fischer

Fazit zu Hurra, wir digitalisieren!

Prof. Dr. Mario Fischer machte klar, dass es keinen Sinn hat sich die Haare zu raufen, weil man nicht mehr der Erste mit einer Idee ist oder nicht genug Geld: Weder Facebook, noch Google, weder Amazon, noch Apple hatten zu Anfang viel Geld. Und keiner von ihnen war auf seinem Feld wirklich der erste. Wichtiger ist nicht eine ganze Entwicklung zu verschlafen.

Sein Appell für mehr Digitalkompetenz in Konzernspitzen und einen Kulturwandel im Umgang mit Online-Kanälen und Machine Learning war ein wenig Wasser zum Main getragen. Die Anwesenden waren da sicher mit ihm einer Meinung. Aber vielleicht hilft der Vortrag in einigen Fällen diese Meinung auch zu einer Position im Unternehmen zu machen.

Dominik Schwarz: SEO ist keine Abteilung & kein Software-Plugin – Suchmaschinenoptimierung erfolgreich Inhouse umsetzen

Dominik Schwarz machte klar: Ihm geht es nicht um so sehr um Maßnahmen im Internet, die SEO erfolgreich machen, sondern um die Maßnahmen im Unternehmen, die erfolgreiches Inhouse-SEO erst möglich machen. Denn als Inhouse-SEO arbeitet man nicht nur mit und an der Webseite eines Unternehmens, sondern mit und am ganzen Unternehmen. Und es ist enorm wichtig, dass niemand im Unternehmen den Eindruck bekommt, dass man als SEO gegen ihn arbeitet.

Für diesen Vortrag war die Leitlinie das Inouse SEO Manifest, das Dominik Schwarz aus seiner Erfahrung selbst erstellt hat. Mit ihm zeigte er, was erfolgreiche Inhouse-Abteilungen von weniger erfolgreichen unterscheidet und was die Grundvoraussetzungen für diesen Erfolg sind.

Erklären Sie Ihrem Vorgesetzten warum SEO wichtig ist. Gerne auch 10n mal. Gerne auch 100 Mal!

Dominik Schwarz

Chief Inbound Officer, HomeToGo

Der beste Plan ist nichts wert, wenn er nicht umgesetzt wird.

Dominik Schwarz

Im Endeffekt ging es viel um Selbst- und Fremdwahrnehmung – und auch darum, wie man an beiden arbeiten kann. Sich abteilungsübergreifend Verbündete zu suchen, die Sprache der Entscheider sprechen („Suchvolumen“ ist auch nur „Markt“ oder „Nachfrage“), den Prozess-Charakter von Suchmaschinenoptimierung vermitteln und nie die Kraft von Begeisterung und Sturheit für den Inhouse-Erfolg vergessen waren zentrale Punkte. Die fachliche SEO-Praxis beginnt im Manifest ganz bewusst erst mit Satz 16 von 20.

Viele Aspekte waren auch dann wichtig, wenn man nicht inhouse tätig ist: Wie und was man reporten sollte, ist eine immer relevante Frage. Dominik Schwarz‘ Antwort darauf war, dass regelmäßige Reportings SEO im Blick halten. Dass bei reinen SEO-Kennzahlen die Tendenz wichtiger als der absolute Wert ist. Denn was für den Empfänger des Reportings zählt ist der Anteil, denn SEO am Gesamtbild leistet und nicht die Details zu den gründen. Auch Stagnation ist reportenswert, denn mit ihr kann man Bedarf an weiteren Ressourcen begründen. Außerdem helfen Reportings dabei selbst immer zu wissen, wo man mit dem Unternehmen gerade steht.

Auch wenn man als SEO guten Gewissens keine konkreten Prognosen abgeben kann: Gerade Inhouse sind sie unerlässlich und man muss sich trauen. Es ist immerhin allen Prognosen gemein, dass sie unsichere Schätzungen sind. Wo der SEO wegen unsicherer Datenbasis trotz Tracking, Webanalyse und SEO-Tools vor Prognosen zurückschreckt, da müssen Print-Marketer schon seit jeher auf wesentlich kleineren Daten Prognosen abgeben. Und Teil dieser Prognosen kann auch sein, dass man für Innovation und Qualitätsprüfungen externe Dienstleister hinzuzieht. 

 

Fazit zu SEO ist keine Abteilung & kein Software-Plugin

Der Vortrag gut, um auch als Agentur-SEO einen Einblick in die Herausforderungen von Inhouse-SEOs zu erhalten. Viele teilt man sich dann aber doch egal ob bei Kunden oder firmeninternen Stakeholdern. Dominik Schwarz präsenterte eine gute Gelegenheit sich vieles davon nochmal ins Bewusstsein zu rufen.

Florian Zink: 5 Alternativen zu Google Ads – Ein Blick über den Tellerrand

Florian Zink gab einen Blick über den Tellerrand des Google-Universums. Für Search Ads, Social Ads, Retail Ads, Content Ads und Streaming Ads hatte er jeweils ein Beispiel, das je nach Zielgruppe bedenkenswert ist.

Für interessierte Kenner des Paid Advertisings waren einige bekannte Namen dabei: Bing, TikTok und Amazon sind bei vielen bereits auf dem Tisch. Weniger offensichtlich war der Hinweis auf die Werbemöglichkeiten über Das Display Network von Microsoft mit Taboola und Outbrain, sowie die Möglichkeiten von twitch bei entsprechenden Zielgruppen.

Der wohl wichtigste Tipp war aber schon bei der Auswahl der Kanäle Zielgruppe und Nutzungszeiten der jeweiligen Plattformen einzurechnen. Auch sollte man nie vergessen sich ein Testbudget zu setzen und die Landingpage der Anzeigen auf die Zielgruppe und Art der Anzeigen anzupassen. Den die Klickrate ist noch nicht die Konversionsrate.

Auch auf der Google-Seite sind Nutzer täglich im Schnitt nur 10 Minuten.

Florian Zink

Head of Paid Advertising, eology

Fazit zu 5 Alternativen zu Google Ads

So informativ die präsentierten Daten und die Aussagen auch waren, so richtig sprang der Funke im Vortrag nicht über. Wer schon vorher keine der Alternativen nutze, wird sie auch nach diesem Vortrag wohl nicht mit ins Portfolio aufnehmen. Für alle anderen war es eine nette Wiederholung und Ergänzung.

Seine Stärken konnte Florian Zink vor allem dann ausspielen, wenn er von der allgemeinen Beschreibung abrückte und kurz auf Feinheiten einging. Ihn zu genau solchen Feinheiten und mit konkreten Fällen auf der Bühne zu sehen, wäre ein echtes Highlight.

Heiko Stammel: 5 goldene SEO-Regeln: Mein Erfolgsrezept für das Optimieren großer Webseiten und was auch kleinere Seiten davon lernen können

Heiko Stammel nahm voller Energie den Ball auf, den Dominik Schwarz ins Spiel gebracht hatte. Mit seiner Inhouse-SEO-Erfahrung bei der Welt und Spiegel Online konnte er auf wirklich große Seiten verweisen, bei denen technische Aspekte immer wieder eine Herausforderung sind. Seine Regeln bezogen sich aber nicht nur auf technische Aspekte, sondern brachten zusammen mit zum Teil schmerzlichen Erfahrungswerten präsentiert nochmal die klassische SEO-Praxis auf den eoSearchSummit.

Das mit dem SEO ist alles kein Hexenwerk. Inhouse ist es vor allem People Management.

Heiko Stammel

Technical SEO Manager, Spiegel Online

Google will sich doch auch nicht mit Crap auseinandersetzen!

Heiko Stammel

Die Lösung: Dinge in Schubladen stecken. Google liebt es Dinge in Schubladen zu stecken.

Heiko Stammel

Frontend ist SEO-Land! Alles, was da ausgespielt wird, muss mit dem SEO geklärt werden.

Heiko Stammel

1. User is Queen

„Content is King“ und, wie wir auf der Konferenz schon erfahren hatten: „Context is kingdom“. Nun kam noch die Königin dazu: Der Nutzer. Der simple Grund Google eigene KPIs beziehen sich auf die Nutzer. Dafür müssen wir noch nicht einmal den Suchalgorithmus auswerten. Was wir aber tun sollten, ist mit Zielgruppen, Personas, Nutzerfragen und vielleicht sogar Nutzerbefragungen arbeiten. Die Kombination von A/B-Test und Nutzerbefragung ist besonders hilfreich.

2. Qualität statt Quantität

Zu diesem Thema gehört die eigene Seite zu kennen. Es gibt Rankings, die die Sichtbarkeit pushen, aber deren Keywords gar nicht zielführend, oder sogar schlecht für die Seitenausrichtung sind. Auch aus SEO-Überlegungen wurde Das Forum bei Spiegel Online abgeschaltet. Heiko Stammel nutzt für die Orientierung selbst die Idee eines fiktiven Quality Scores ähnlich dem bei Google Ads genutzten. Mit diesem Gedankenkonstrukt arbeitet es sich aus seiner Sicht ganz gut.

3. Ordnung und Struktur müssen sein

Naheliegend, aber bei großen, content-reichen Domains eine echte Herausforderung. Aber auch auf kleineren Seiten lohnt es sich semantische Silos durch Kategorien aufzumachen. Unterseiten zu Long-Tail-Themen helfen in solchen Strukturen die im selben Silo übergeordneten Single-Keyword-Inhalte zu stärken. Außerdem macht es eine gute Struktur dem Crawler einfach.

4. Mobile only

Keine Überraschung hier. Aber der Tipp statt auf „Virtuelle Gummipunkte“ aus Google-Tools zu setzen, lieber mal selbst mit einem alten Smartphone in die Pampa zu gehen und zu versuchen die eigenen Webseite zu bedienen, ist auch mit Blick auf Stakeholder und Kunden, die diesen Aspekt nicht so richtig wahrhaben wollen, eine wirklich gute Idee.

5. SEO ist ein Prozess

Wieder und für alle. SEO ist kein Performance-Kanal (Kais Spriesterbach nickte vom Seitenrand eifrig). SEO – auch technisches – funktioniert nur, wenn Entwickler und Redakteure auf allen Ebenen mitdenken und sich mit den Spezialisten vernetzen. Auch der Zusatztipp zum Schluss gehörte eigentlich hier hinein: „Google ist nicht allmächtig“. Denn nur mit der Entspannung, die diese Aussage bringt, kann ein erfolgreicher Prozess nachhaltig aufgebaut werden.

Fazit zu 5 goldene Regeln

Kurz vor dem Schluss brachte Heiko Stammel noch einmal eine schwungvolle und erfrischende Tour durch SEO-Themen. Zwischen den allgemeinen Aussagen flochten sich Anekdoten und bildhafte Sprache zu einem treffenden Vortrag. Besonders schön war, dass seine Regeln keine starren Patent-Lösungen waren, sondern Aussagen, deren Hintergründe dann individuell umgesetzt werden können.

Carsten Richter: Age of Assistance

Carsten Richter kam als Google-Mitarbeiter aus Dublin zum eoSearchSummit. Es ist in SEO-Kreisen bekannt, dass man sich von Google-Mitarbeitern auch im direkten Gespräch keine wirklich neuen Aussagen erhoffen kann. Gerade deshalb werden die Äußerungen von z. B. John Mueller aus der Szene so genau verfolgt. Beim eoSearchSummit ging es deswegen im letzten Slot auch gar nicht um Fragen und Antworten zu SEO. Carsten Richter präsentierte die Leistungen, Pläne und Visionen von Google unter dem Motto „Age of Assistance“.

Wer berufsmäßig Google im Blick behält, der erfuhr wenig Neues. Für die Teilnehmer, die aus anderen Bereichen des Onlinemarketings kamen, waren gerade die Entwicklungspläne der persönlichen Assistenz aber aufschlussreich. Da nicht weit in die Tiefe gegangen wurde, konnte der Vortragsteil pünktlich mit einem Schlusswort von  Mario Strack beendet werden. 

Unser Fazit zum eoSearchSummit 2020

Bei eology haben alle zusammen geholfen, um den eoSearchSummit möglich zu machen und wir sind happy, dass das Ergebnis so gut angenommen wird. Die vielen Gäste und die positiven Reaktionen, auch von anderen Agenturen, sind richtig geil. Das ist ein Ritterschlag und macht Freude darauf die Konferenz weiter zu führen.

Axel Scheuering

Gründer & Geschäftsführer, eology

Mein Fazit zum eoSearchSummit ist positiv. Es war eine sehr angenehme, gut organisierte und informative Konferenz. Das Team von eology hat eine gute Grundlage gelegt und es würde mich sehr freuen, wenn die Konferenz weiter läuft und zu einer dauerhaften Ergänzung der SEO-Konferenz-Szene würde. Aktuell sehe ich nur ein paar Kleinigkeiten zu verbessern (ich wette die Moderation wäre direkt flüssiger gewesen, wenn Mario Strack seine Spickzettel verlegt hätte) und einen subjektiven Eindruck:

Die Konferenz und vor allem die Vorträge fühlten sich noch nicht nach einer Konferenz für SEOs an, sondern wie eine Konferenz über SEO. In vielen Vorträgen hatte ich persönlich nur selten Gefühl über den Tellerrand zu schauen oder neue Impulse zu bekommen. Gerade in der zweiten Hälfte fühlte es sich so an, als ob der „No Bullshit“-Ansatz etwas zulasten streitbarer, vielleicht provokanter Themen ging. In der Rückschau fehlte mir da tatsächlich etwas.

Das ist einerseits natürlich eine Einschätzung von Agenturseite. Es kann sein, dass gerade die anwesenden Inhouse-Teams und Ansprechpartner gerade davon besonders profitierten. Und genau in diese Kerbe schlägt das Line-Up mit Speakern von Google, Telekom, Spiegel Online und HomeToGo. Um andere SEO-Agenturen oder gar die „alten Hasen“ anzusprechen braucht es aber wahrscheinlich auch immer etwas provokante heiße Luft, über die man dann diskutieren kann.

Wenn es also, wie ich sehr hoffe, 2021 in Würzburg mit dem eoSearchSummit weiter geht, komme ich gerne wieder. Und freue mich auf mehr Diskussionspotenzial in ausgesuchten Vorträgen. Wahrscheinlich kommt das zwar auch dann nicht in der Fragerunde nach einem Vortrag auf, aber vielleicht dafür umso stärker bei Essen und Networking.

Darauf freue ich mich schon jetzt.

Weitere Recaps zum eoSearchSummit 2020:

Würzburg ist weit?

Für alle Interessenten an Online Marketing und SEO im Westen und Nordwesten veranstalten wir in Münster die Online Marketing MeetUps. Jeden Monat kommt ein Speaker für einen kostenlosen Vortrag zu uns und diskutiert mit Euch in der Fragerunde und beim Networking.